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Das war Taste the Tour 2015

Taste the Tour – auf den Spuren der Tour de France 2015

Einwöchige Rennrad-Reise in die Savoyer Alpen 06.06.2015 – 13.06.2015

Samstag 06.06.15

So etwas wie der „Prolog“. Unsere Gäste sind früh genug da, damit wir mit ihnen eine kurze Runde veranstalten – zum Einrollen sozusagen. Die 18 Kehren von Montvernier sind Alpe d’Huez im Kleinformat. Alles zusammengestaucht auf 3 Kilometer.

Unglaublich, aber wahr: Die Tour de France hatte dieses Serpentinen-Labyrinth in mehr als 100 Jahren nicht entdeckt! Erst 2015 steht die 8-prozentige Nebenstrecke erstmals auf dem Programm, als Schlussschwierigkeit der viertletzten Etappe mit Ziel in Saint-Jean-de-Maurienne.

Nach dem ersten Test der Räder (und der Form) folgt abends der erste Gaumenkitzel: Das tolle Essen im Hotel du Nord übertrifft sogar noch unsere hochgesteckten Erwartungen!

This is sort of our prologue. Our guests have been arriving early enough to give them a bonus ride.

We get going on a short afternoon tour up the 18 switchbacks of Montvernier. It’s L’Alpe d’Huez in a nutshell. Hard to believe it has not been discovered by the Tour the France for more than a hundred years! The 2015 premiere up the tiny secondary road with 8 % gradient will give stage number 18 the final kick!

Having successfully tested bikes and physical shape we can enjoy the fantastic meals in Restaurant Hotel du Nord in Saint-Jean-de-Maurienne. Delicious!

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Sonntag 07.06.15

Es wird ernst – und es wird heiß! In der Südrampe des Col de la Madeleine können sich die Sonnenstrahlen fangen. Gottlob ist für reichlich Flüssigkeitsnachschub gesorgt. Fast 20 Kilometer lang eine Steigung zwischen 6 und 11 % – Hors Catégorie, wie die Franzosen den Anstieg einstufen!

Oben die Belohnung: der Blick nach Norden reicht bis zum Mont Blanc. Das Picknick auf 2000 Meter Höhe macht uns wieder stark genug, um noch einen Nebenpass zu fahren: Die Straße zum Col de Chaussy dampft, als aus der Hitze die ersten Tropfen fallen. Wir werden kurzfristig ein bisschen nass, aber schon auf der schwindelerregenden Abfahrt zum Hotel ist alles wieder im grünen Bereich. Die Tour-de-France-Fahrer müssen dieses Jahr hier erstmals hinauf. Was für eine tolle Auftakt-Etappe für uns!

In Saint-Jean sind der Radsport und die Tour überall präsent. Das Trikot des besten Bergfahrers ziert den Treppenaufgang zu unserem Restaurant. Nach dem leckeren Käse-Fondue fühlen wir uns dann aber für einen Top-Kletterer viel zu schwer und können nur noch ins Bett fallen!

Getting serious – and hot! Sun and heat are being caught on the southern face of Col de la Madeleine. We are happy to have enough liquid available to refill our drained bodies. This ascent is hors catégorie, meaning beyond the common categorization for cols, with its grade never falling under 6 %, but often hovering in the double digit region. On the mountain top we are rewarded with a fantastic view: to the North ice-covered Mont Blanc dominates the skyline.

After a strengthening picknick we decide to add another ascent to our record: Col de Chaussy will also be included in this years’ Tour de France, albeit in the opposite direction. Very quickly the weather changes and the narrow road steams from the first raindrops. Up at the top we have got decently wet! But on the rapid descent it dries up and back in Saint-Jean there ist sun and heat again. This little town is devoted to cycling. Signs are found everywhere, for example there are polka-dot shirts decorating the rails to the restaurant, where we conclude this fantastic day with cheese fondue Savoy style. After that, we are unable to climb any mountain except the few steps to our hotel room!

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Montag 08.06.15

Das Frühstück im Hotel Saint-Georges ist typisch französisch – mit Bergfahrer-Akzent! Wir starten wieder ein wenig früher als vorgesehen. Der Grund sind die nachmittäglichen Gewitter, die wir dann schon wieder im Schutz des Quartiers erleben wollen.

Der Nachbar des Madeleine im Süden ist der etwa gleich lange und steile Col du Glandon. Seine Daten, die wir am Fuß der Steigung begutachten, sind nicht minder respekteinflößend. Er kommt uns wilder vor – und verlassener als der Madeleine. Und speziell seine letzten drei Kilometer haben es in sich. Kilometerschnitte von 10-11 Prozent zwingen uns auf Kriechmodus umzuschalten – im kleinsten verfügbaren Gang!

Der Glandon ist dennoch nur Zwischenstation auf dem Weg zum 150 Meter höheren Col de la Croix de Fer. Wir pirschen uns sozusagen von hinten an ihn heran. Und genießen dann das von Solange zusammengestellte Picknick in vollen Zügen: leckere Baguettes, würziger Käse aus der Region, vor allem der wunderbare Beaufort, Savoyer Schinken, Pastete, und, und, und…! Mit einem Glas Rotwein (aber nicht mehr bitte, es folgt ja noch die Abfahrt!) wird die Eroberung jedes Pass-Riesen gebührend gewürdigt. Und das Eiserne Kreuz brauchen wir nicht am Bande umgehängt zu bekommen. Uns reicht es schon als Fotomotiv, um zu beweisen, was wir geleistet haben!

After a typical French breakfast in our hotel the start is earlier than planned. At 9.30 h we are on the road to the foot of Col du Glandon, the reason being to avoid the afternoon thunderstorms.

Glandon is the southern neighbor to Col de la Madeleine, with about the same daunting details: It’s nearly 20 kilometers long, gaining 1500 Meters in altitude, and the last three kilometers hardly ever fall below the 10 % mark! We are forced to use the lowest gear available, creeping up the last switchbacks.

Still, beautiful Glandon is only a steppingstone to Col de la Croix de Fer, 2.5 km further up the road and 150 meters higher. Solange has already arranged a wonderful picknick there, consisting of delicious baguettes, tasty cheese and cured ham of this region and much much more! We toast with some red wine on the conquest of yet another giant mountain pass! The iron cross that gives this spot its name serves as a fitting background for photos.

 

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Dienstag 09.06.15

Wieder Klasse-Wetter! Doch wir lassen es trotzdem etwas ruhiger angehen, um unseren Körper nach 4500 Höhenmetern an den ersten Tagen nicht zu überfordern. Heute stehen nur ca. 1200 Höhenmeter auf der To-Do-Liste. Unser Ziel: La Toussuire, Retorten-Skiort und Ziel der womöglich Tour-entscheidenden 18. Etappe in wenigen Wochen. Die Profis werden die Auffahrt als vierte Steigung des Tages in Angriff nehmen, uns reicht sie als erste und letzte!

Einfach toll der Blick in die Schlucht des Arvan und auf die drei Zacken der Aiguilles d’Arves, so etwas wie das französische Pendant zu den Drei Zinnen in den Dolomiten. Weniger erhebend sind die Zweckbauten von Le Corbier und auch vom Zielort, dennoch ist bei diesem Wetter alles in ein herrliches Frühlingsgrün getaucht! Und das Picknick, von Solange diesmal auf der Abfahrt an einem sonnigen Plätzchen serviert, darf natürlich auch heute nicht fehlen!

Another day in paradise, weatherwise at least! Saving a little bit of energy after exhausting days on the bike (and in view of our Queen’s stage tomorrow!), there are only 1200 vertical meters to climb. We are heading for La Toussuire, a winter sports destination trying to popularize its name by hosting Tour the France stages, this year for the third time in the last ten years.

Breathtaking are the views into the Arvan Gorge or the Aiguilles d’Arves, three peaks that crown the horizon and resemble very much the Tre Cime di Lavaredo (Drei Zinnen) in the Dolomites. Of course, the architecture of Ski resorts like Le Corbier or La Toussuire is functional rather than attractive, but generally the sun brings out the springlike colors beautifully.

Not to be missed in spite of the rather short stage (43 km) is Solange’s picknick, which is served in plain sunlight on the downhill part.

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Mittwoch 10.06.15

Die Ruhe vor dem Sturm. Es lockt die Königsetappe auf den Col du Galibier! 13 Kilometer Freistrampeln auf der breiten Departements-Strasse im Arc-Tal. Ein letzter Stopp mit Blick hinauf zum Télégraphe. Der ist jedoch nur ein Vorberg. Allerdings ein durchaus happiger: 800 Höhenmeter mit 7-8 %! Oben kurze Rast und für 5 Kilometer Abfahrt nach Valloire: Besser, wir ziehen die Windwesten an.

Dann wird die Landschaft immer großartiger – und immer gottverlassener! Jeder ist nun im eigenen Tempo unterwegs. Solange es bergauf geht, bleibt man warm – dennoch ist spürbar, dass es rundherum immer kälter wird. Die ersten Schneereste, Murmeltiere pfeifen und huschen über die Straße, irgendwann der Blick voraus zur Scharte in luftiger Höhe. Da hinauf?

Der Tunnel nach Süden, nur für motorisierten Verkehr. Der auf seine Muskelkraft Vertrauende will aber auch nicht im Berg verschwinden, er will mit allen Sinnen die Landschaft spüren, den Wind, die Kälte, den abnehmenden Sauerstoff.

Eine letzte Kurve noch – dann liegt sie vor einem, die Passhöhe! Peter wird von seiner Christina bereits umsorgt. Chapeau! Hier oben treffen sich die Beinharten: Sie haben sich durchgekämpft, egal in welchem Tempo: mehr als 2000 Höhenmeter auf 30 Kilometer Anstieg! Darauf einen Toast: Mit einem passenden Getränk, das denselben Namen trägt wie diese Tour-Legende: „Galibier“.

This is the most demanding stage so far. We shall climb Col du Galibier, a legend of the Tour the France, with a northern ascent surpassing 2000 meters altitude gain! We have a 13 Kilometer warm-up in the Arc Valley, before challenging Col du Télégraphe. This is more a downward extension of mighty Galibier than a pass in his own right. A stable gradient of 7-8 % is nice to find the rhythm! On top there is a fortress and many radio antennas and we can add a windbreaker to our gear for the upcoming 5 kms to Valloire.

No more relaxation thereafter! But by keeping our own steady pace we can at least savor some of the landscape’s grandeur. It seems to grow with every meter we climb. There are snow patches above the 2000-meter-mark, the occasional whistling of a marmot and, eventually, there is the pass ahead, way above a tunnel that is reserved for motorized traffic only. But which cyclist would not fight the last two switchbacks and a 10 % gradient to reach the top of this legendary mountain pass? Peter has already been warmly welcomed by Christina kissing his frozen lips and cheeks. It is cold indeed (6 degrees Celsius!), but we don’t mind. Cheers! A local beer bearing the same name has been reserved for this unique occasion.

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Donnerstag 11.06.15

Als Reiseveranstalter muss man flexibel bleiben. Wir konnten den Galibier nicht zur Überführung ins Oisans überschreiten. Auf seiner Südseite ist ein Tunnel gesperrt. Dann nehmen wir eben einen anderen Pass zur Überfahrt: den Croix de Fer.
Es heißt also Abschied nehmen vom Hotel Saint-Georges und seiner liebenswerten Chefin Martine Didier. Merci, c’etait merveilleux, Madame!

Wir wollen den Croix de Fer auf Umwegen erreichen. Die insgesamt 46 (!) Spitzkehren aus dem Arc-Tal nach Albieux-les-Jeunes führen vielfach durch schattigen Wald – bei den hohen Temperaturen sehr angenehm! Es ist eine Nebenstrecke, deren Befahrung sich extrem lohnt: Sie ist nicht übermäßig schwierig (6-7 %) und bietet im oberen Teil herrliche Ausblicke auf die umgebende Bergwelt! Am Col du Mollard (1640 m) nur ein kurzer Stopp – dann rasen wir die Tour-Strecke von 2015 in entgegengesetzter Richtung hinunter und verlieren 400 Höhenmeter. Nun also noch 850 Meter hinauf, zuerst durchs obere Arvan-Tal. Die Straße wird im oberen Bereich schmaler und ist mit rauem Belag versehen – man merkt, dass hier kein Wintersportgebiet mehr angefahren werden muss. Die letzten Meter, vorbei an einem kleinen Bergsee und einer Felswand – dann sind wir wieder oben auf dem Croix de Fer (diesmal von Nordosten).

Das Wetter ist noch schöner als all die Tage zuvor – deshalb wird es auch kein Gewitter mehr geben, und wir können es so richtig genießen – sowohl das Pass-Picknick als auch die Abfahrt in Richtung Bourg d’Oisans. Dort erwarten uns die urgemütlichen Gästezimmer im La Clé des Bois und das von den Gastgebern Peter und Marie perfekt zubereitete Abendessen.

As a travel company, you can’t do without improvisation. We had to return from Galibier to our Hotel in Saint-Jean because a tunnel on the southern side has been blocking all the traffic. We knew that ahead of time and changed plans accordingly, using the route across the the Croix the Fer to reach the foot of famous L’Alpe d’Huez. So it’s time to say good-bye to Hotel Saint-Georges and its charming owner Martine Didier: „Merci, c’etait merveilleux, Madame!“

Taking a little detour across Col du Mollard is extremely rewarding. Because there are 46 (!) switchbacks up to Albiez-les-Jeunes, but a gradient not exceeding 7 %. And because there are unforgettable views of the mountains nearby, like the Aigulles d’Arves or Grandes Rousses, all of them surpassing 3000 meters by far!

After losing some 400 meters in altitude, the ascent to Croix the Fer begins slowly but surely. The road eventually narrows and rises beautifully in long switchbacks up a mountain slope. It’s still cosy and warm, when we enjoy our picknick on top of Croix de Fer.

The descent towards the Oisans in beautiful sunshine is an experience in itself. Down in the valley we are greeted by our hosts Peter and Marie in their hospitable guesthouse La Clé des Bois.

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Freitag 12.06.15

Auch ein paar Regentropfen können uns nicht abschrecken. L’Alpe d’Huez ist ein Muss für alle, die in dieser Region dem Geschmack der Tour de France auf die Spur kommen wollen: Taste the Tour! Nicht, weil es noch härter wäre als alles andere: Das ist es nicht einmal (14 km mit 7,9 % im Schnitt). Aber nirgendwo ist die Frankreich-Rundfahrt inzwischen so präsent wie hier. Überall Aufschriften auf der breiten Straße. Radgeschäfte en masse in Bourg d’Oisans. Schilder auf Holländisch, so dass sich unsere Radsport-verrückten-Nachbarn richtig zu Hause fühlen können.

Wir kommen gut über die ersten vier steilen Kehren hinweg. Bis zum Kirchlein von Saint-Ferréol an der berühmten Holländer-Kurve haben wir längst unseren Rhythmus gefunden. Am Ortsschild ein kurzer Zwischenstopp: Nein, es ist noch nicht Schluss, es geht noch durch das ganze Dorf hindurch bis an dessen oberes Ende, dem Tour-Kurs genauestens folgend. Schließlich die Zielgerade und das Schild Arrivée, damit auch jeder nachvollziehen kann, wo sonst die Profis fix und fertig ankommen.

Wir sind gar nicht soooo kaputt! Im Gegenteil: Wir haben diesen Anstieg wie all die anderen genossen, weil wir unser Tempo unseren Fähigkeiten angepasst haben. Und wir sind stolz, dass eine unvergessliche Woche ohne eine einzige Panne oder gar einen Sturz abgelaufen ist!

Unser Gastgeber Peter (noch ein Peter!) belohnt uns abends in seinem urgemütlichen Gästehaus mit einem typischen Savoyer Gericht: einer Reblochonnade!

A few raindrops won’t keep us from undertaking our final tour. L’Alpe d’Huez is a must for everyone who tries to taste the real Tour de France! Contrary to common belief it is not harder than the mountains we have been climbing all week long: 14 km ascent with an average gradient of 7,9 %. But you are reminded on every curve that there have been numerous TdF stages ending up here by reading signs with the names of the winners. The road is wide and full of paint that cycling fans of all nations have left, especially the Dutch. They can feel at home here where shops bear signs in their language.

We get over the rather steep first four curves without major problems. When we reach Saint-Ferréol Church on switchback no. 6 we have found our rhythm. From the old village of Huez the ski resort is already visible. But from the entrance of L’Alpe d’Huez to where the finish line is situated there is another altitude gain of 150 meters. I have been there a couple of times as a commentator with ZDF and can’t miss the correct spot – Arrivée! We are happy to have reached our final destination, and this is worth a bottle of Champagne. Cheers! No fall, no flat tire, nothing that has hampered this week in the French Alpes – this was pure perfection!

To round up this last day: a local dish called Reblochonnade, where you melt cheese in a table stove and mingle it with potatoes or ham. Thanks to our hosts Peter and Marie.

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